Früher wurde angenommen, dass Bakterien meist in Form von Schwärmen
frei ("planktonisch") leben.
Die Forschung der letzten 30 Jahre hat jedoch gezeigt, dass
das planktonische Verhalten von Bakterien eher die Ausnahme ist.
Vielmehr haben sie das starke Bestreben, sich in Gemeinschaften anzusiedeln und
sich hierin weiter zu entwickeln.
Beispiele solch hoch entwickelter Gemeinschaften sind die Körperzellen
von Menschen, Tieren und Pflanzen. Sie werden heute naturwissenschaftlich als
Verstaatlichung (sog. "Endosymbiose") von unterschiedlichen Bakterienarten
angesehen (s.a. den Artikel zur "bakteriellen
Endosymbiose der Zellen" auf dieser Homepage). Somit sind Menschen,
Tiere und Pflanzen auch Teile der Bakterienwelt.
Bakteriengemeinschaften finden sich im lebenden Organismus jedoch
nicht nur in den Zellen, sondern auch als "Biofilm" auf Oberflächen.
Der Begriff "Biofilm" wurde von dem amerikanischen Bakteriologen
J. William Costerton im Jahr 1978 geprägt; der Begriff bezeichnet eine
strukturierte bakterielle Gemeinschaft von Bakterienzellen, eingeschlossen in
eine selbst produzierte polymere Matrix und angeheftet an eine inerte oder
lebende Oberfläche (J.W. Costerton, P.S. Stewart u. E.P. Greenberg: "Bacterial
biofilms: a common cause of persistent infections", Science 284, 1318-1322,
1999).
Einen Überblick über die Forschung zu Biofilmen gibt ein
Artikel von
Amy
Proal.
Im lebenden Organismus bestehen Biofilme hauptsächlich aus Bakterien und
einer sie umhüllenden Schleimschicht (Matrix) aus "extrazellulären polymeren Substanzen"
(EPS, hauptsächlich Polysaccharide, Proteine, Lipide und Nucleinsäuren). Der
Aufbau der EPS-Matrix ist abhängig vom Nährstoffangebot; sie kann sozusagen als "Haus" der Biofilm-bewohnenden Mikroorganismen angesehen
werden (Flemming
u. Wingender).
Die Matrix bietet mechanische Stabilität und erlaubt es den
Biofilm-Organismen, langfristige synergistische Wechselwirkungen aufzubauen,
Hungerperioden zu überstehen und verhindert das Abschwemmen extrazellulärer
Enzyme.
Zwischen den Mikroorganismen eines Biofilms findet eine sehr
intensive Kommunikation statt, die als „Quorum
sensing“ bezeichnet wird. Sie bestimmt unter anderem das Wachstumsverhalten
und die Pathogenität der Mikroben. Zellen höherer Organismen kommunizieren mit
Hilfe von Hormonen und Prostaglandinen, die eine große chemische Ähnlichkeit mit
den Kommunikationssubstanzen der Biofilmbakterien haben. Daher findet auch
eine intensive Kommunikation zwischen diesen Bakterien und ihrem Wirt statt.
Auch Hefen, wie Candida albicans, können im lebenden
Organismus Biofilme bilden (Chandra
et al., 2001). Dabei können Bakterien (wie Streptokokken) offenbar die
Biofilmbildung von Hefen beeinflussen (Bamford
et al., 2009).
Ein Videoclip eines bakteriellen Biofilms ist auf einer Seite der
Harvard University zu sehen.
Obwohl Biofilme in der Natur allgegenwärtig sind, wird ihre
klinische Bedeutung in der Human- und Tiermedizin häufig stark unterschätzt. Dies gilt insbesondere
für Infektionen, denn in mehr als 60% aller bakteriellen Infektionskrankheiten
schützen sich die Erreger durch die Bildung von Biofilmen vor dem Immunsystem
(siehe auch
Wikipedia).
Nach
Balaban ist die Anzahl der Humanpatienten, die von
"Biofilm-Erkrankungen" betroffen sind oder an ihnen sterben, größer als die Zahl
an Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen zusammengenommen (Naomi Balaban (ed.):
Control of Biofilm Infections by Signal Manipulation. Springer Series on
Biofilms. Springer, 2008).
Biofilme finden sich im lebenden Organismus z.B. auf der Haut,
den
Zähnen als
Zahnbelag, auf den Schleimhäuten
des Darmes, der Lunge bei Cystischer Fibrose, im Inneren der Milchdrüse, des Herzens,
der
Prostata
oder der Harnblase oder innen an den Blutgefäßen
z.B. bei
Arteriosklerose.
Biofilme besitzen außerdem eine große Bedeutung bei der
Wundheilung.
Übrigens können auch
Borrelien
Biofilme bilden (dunkelfeldmikroskopische Aufnahmen von Borrelien
sind bei MacDonald,
2008a
und
2008b, zu sehen).
Eine Abbildung eines Biofilms von Streptokokken in der Mundhöhle
findet sich bei
Kenneth Todar (University of Wisconsin - Madison Department of Bacteriology).
Dort sind auch die Zusammenhänge zwischen Biofilmen, Zahnbelag und Karies
beschrieben.
Nach Costerton sind Biofilme ebenfalls die maßgebliche Ursache von Nierensteinen.
Vermutlich spielen dabei spezielle Bakterien, die sog. Nanobakterien, eine
Hauptrolle (Shiekh
et al., 2006;
Wood u. Shoskes, 2006).
In der Gemeinschaft eines Biofilms können Bakterien äußeren Einflüssen
sehr viel besseren Widerstand entgegensetzen als vereinzelte Individuen.
Diese Tatsache muss nicht nur in einem gesunden Organismus
berücksichtigt werden, in dem die physiologischen Biofilme z.B. des Darmes gepflegt werden
sollten, sondern vor allem auch in einem kranken Organismus.
Krankmachende
Bakterien, die sich als Biofilm etabliert haben, folgen nämlich anderen
Gesetzmäßigkeiten als Einzelbakterien und sind wesentlich schwerer zu beseitigen
als diese.
Bakterien eines Biofilms lassen sich z.B. im Labor schlecht
oder gar nicht anzüchten, und sie sind gegenüber
Antibiotika und Desinfektionsmitteln
meist
gut geschützt (siehe z.B. den Artikel über die Mittelohrentzündung: "Chronische
Otitis media: Für Antibiotika undurchdringlicher Biofilm als Ursache"
im Ärzteblatt).
Auch bei Euterentzündungen der Kühe können bakterielle Biofilme
die erfolgreiche Behandlung stark erschweren (z.B.
Melchior et al., 2006 u.
2007,
Oliveira et al., 2007; siehe auch EurekAlert:
Milk may help bacteria survive against low levels of antibiotics).
Ein Biofilm ist somit neben den sog. "zellwandfreien Formen"
(CWD) eine
weitere Zustandsform von Bakterien, die sich im Labor schlecht oder gar nicht
anzüchten lässt und mit Antibiotika direkt kaum wirksam behandelt werden kann.
Regulation
pathologischer Biofilme
An äußerlich leicht
zugänglichen Stellen, wie den Zähnen, kann der Biofilm zum Teil mechanisch
entfernt werden. Innerlich kann eine strukturreiche Nahrung dazu beitragen, den
Biofilm des Darmes zu regulieren.
Vor einer Therapie
muss ein pathologischer Biofilm oftmals zunächst aufgebrochen werden. Dies kann durch
eine gezielte Stimulation körpereigener Mechanismen erfolgen und durch die
orale und/oder lokale Anwendung von Enzymen; hierbei haben sich insbesondere bei
chronischen Entzündungen z.B. des Gesäuges bzw. Euters Mischungen aus eiweißspaltenden Enzymen,
wie Bromelain (Enzym aus der Ananas), Papain (Enzym aus der Papaya), Trypsin und Chymotrypsin,
sehr bewährt.
Anschließend kann ggf. eine
Therapie mit Antibiotika durchgeführt werden. Das Aufbrechen eines Biofilms
verhindert jedoch nicht die mögliche Entstehung von Antibiotikaresistenzen und
zellwandfreien
Bakterienformen. Außerdem ist eine Antibiotikatherapie natürlich nicht in
jedem Fall angezeigt.
Im Darm angesiedelte pathogene
Mikroorganismen lassen sich auch mit Hilfe von apathogenen Mikroben
verdrängen. Hierin liegt der wesentliche Effekt einer Verabreichung von sog. "effektiven
Mikroorganismen" (EM).
Bei einer Gabe von EM
ist jedoch darauf zu achten, dass sie nicht vorbeugend bei einem gesunden Tier
und nicht in zu hoher Dosis bei einem kranken Tier gegeben werden sollten. In
diesem Fall kann nämlich die physiologische Darmflora verdrängt werden.
Da pathologische
Biofilme sehr hartnäckig sein können und viele Bakterien mittlerweile gegenüber
Antibiotika resistent geworden sind, ist es notwendig, neue Verfahren zu
entwickeln bzw. bekannte Verfahren miteinander zu kombinieren.
In diesem Zusammenhang
sind die regulativen Therapieverfahren sehr wichtig, die eine Erhöhung des
Widerstandes des kranken Organismus ermöglichen, die Pathogenität der Bakterien
vermindern, ihre Ansiedlung möglichst verhindern und sie aus
dem Körper ausleiten.
Seitens der konventionellen Medizin wird zur Zeit die
internationale Forschung zur Entwicklung von chemischen Substanzen, die die Kommunikation
der Biofilm-Bakterien und ihr Verhalten modulieren können, sehr stark
intensiviert (siehe auch das o.g. Buch von Balaban, 2008).
Da der Körper von Menschen und Tieren jedoch ein Teil der
Bakterienwelt ist,
besitzt er auch direkte Einflussmöglichkeiten auf die Biofilme. Eine naturheilkundliche
Therapie, die Biofilme zu beeinflussen vermag, ist daher besonders elegant.
Entstehung und Regulation pathologischer Biofilme aus naturheilkundlicher Sicht
Aus naturheilkundlicher Sicht benötigt ein pathologischer Biofilm in einem
lebenden Organismus im wesentlichen drei Rahmenbedingungen:
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genügendes Nährstoffangebot |
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ein gestautes Energiesystem mit einer Blockade der
Energiemeridiane und
einer Veränderung des Milieus v.a. der
Zellen
des Bindegewebes, der Haut
und der Schleimhäute
(siehe hierzu den
Artikel über
die sog.
"tuberkulinische
Konstitution").
Pathogene Bakterien können sich in einem lebenden
Organismus nur bei
einem gestauten Energiesystem
vermehren (siehe auch die Seite
über
"Bakterien und Pilze"
auf
dieser Homepage). |
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eine Lücke im Energiesystem: sie ist z.T. angeboren und
z.T. erworben als
Folge eines
Konfliktes (siehe hierzu den
Beitrag über "Ursachen
und Therapie
chronischer Krankheiten aus naturheilkundlicher Sicht" auf dieser
Homepage);
pathogene Mikroben können als "Fremdenergien" eindringen und
sich
etablieren. Hierdurch wird
ein Teil der physiologischen
Bakterienflora
verdrängt. |
Interessanterweise
besitzen Bakterien spezifische Affinitäten zu bestimmten
Meridianen. Die folgende
Tabelle zeigt einige dieser Bakterien-Meridian-Beziehungen:
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• |
Streptokokken: Herz/Dünndarm |
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• |
Salmonellen: Leber/Gallenblase |
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• |
E. coli:
Blase/Nieren |
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• |
Proteus:
Magen/Milz-Pankreas |
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• |
Pseudomonaden (Mycobakterien): Lunge/Dickdarm |
Eine sich hieraus ergebende naturheilkundliche Therapie wird auch
als "Hierarchische
Multiregulation" bezeichnet. Sie gestaltet sich bei Tieren im wesentlichen,
wie folgt:
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Optimierung von Fütterung und Haltung |
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Ausleitung des Energiestaus des Patienten und Regulation des
Energieflusses auf
den Meridianen; Regulation des Milieus
innerhalb und zwischen den Zellen durch Verabreichung
geeigneter homöopathischer Arzneimittel. |
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Beseitigung des Konfliktes; Ausleitung der in den Körper
eingedrungenen Fremdenergien z.B. mit Hilfe homöopathischer Arzneimittel
entsprechend ihrem Arzneimittelbild; Schließung
der Konfliktlücke mit Hilfe von geeigneten
Symbionten in Pflanzenarzneimitteln
oder isopathischen Mitteln. |
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anschließend Reintegrierung der abgeschnürten Konfliktenergie. |
Nähere Einzelheiten
finden sich in dem Buch "Gedanken
altern nicht", 3. Auflage, 2010.
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